Den Gehörlosen Gehör verschaffen

 

Serie "Mutige Menschen": Elke Fast setzt sich selbstlos ein

 

Die Belange der Gehörlosen liegen ihr am Herzen. Für ihren Einsatz wurde Elke Fast 2013 vom Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Gerhard Gödiker, Diözesanobmann im Bistum Osnabrück, brachte beim damaligen Festakt das Engagement auf den Punkt: „Elke Fast setzt sich selbstlos und bis an die Grenzen ihrer Kraft ein. Sie ist für uns Gehörlose eine hörende Helferin und unersetzlich.“

Elke Fast ist seit nunmehr 22 Jahren Diözesan-Obfrau für Gehörlose im Erzbistum Paderborn. Sie kennt die Probleme und Wünsche, weiß wo es hakt und was verbessert werden könnte. Seit einem Jahr hat sie ihr Büro von Dortmund ins eigene Haus nach Rheda-Wiedenbrück verlegt und regelt von hier auch ihre weiteren Aufgaben für die Diözesanstelle für Gehörlose- und Blindenseelsorge. Mit einer Stundenzahl von rund 6,4 Stunden in der Woche ist Elke Fast gleichzeitig Sekretärin.

„Leider kann ich nur erwerbsmindernd arbeiten“, muss Elke Fast einer Erkrankung Tribut zollen. Bereits im Alter von 16 Jahren wurde bei ihr Gelenkrheumatismus festgestellt, der sie mit der Zeit zwang, kürzer zu treten. Bei Bertelsmann in Gütersloh arbeitete sie zuvor 12 Jahre als Industriekauffrau. Das Thema „Taubheit“ prägte sie schon früh: ihr Vater war gehörlos, ihre Mutter ist schwerhörig. Das eigene Schicksal hat sie somit zur Fürsprecherin für Gehörlose gemacht, deren Wünsche und Probleme kaum einer besser kennt als die Wiedenbrückerin.

Die Hilfsmöglichkeiten für Blinde sei schon etwas weiterentwickelt, für Gehörlose gäbe es noch Nachholbedarf, stellt Elke Fast fest: „Es gibt noch viele Barrieren. Andere Länder sind da durchaus weiter.“ Zugleich fordert sie auch die Gehörlosenvereine auf, sich mehr mit ihren Anliegen in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Denn nur so könne man auf die Probleme und Notwendigkeiten aufmerksam machen. Ihr persönliches Anliegen: „Seitdem Pfarrer Brockmann 2014 in Ruhestand gegangen ist, blieb die Stelle des Diözesanpräses für Gehörlose unbesetzt. Ich wünsche mir eine Neubesetzung, die auch der Gebärdensprache mächtig ist.“

Als Diözesan-Obfrau koordiniert Elke Fast auch die Belange der sechs Gehörlosen-Ortsvereine im Erzbistum. Einst waren es zehn Vereine,  doch das Interesse daran sei gesunken. Mit dem Fortschritt und neuer Technik für Gehörlose hätten sich neue Möglichkeiten ergeben, so dass Gehörlose nicht unbedingt mehr die Gemeinschaft der Gleichgesinnten suchten. Dabei könnten die Vereine in Dortmund, Lippstadt, Iserlohn und Paderborn auf eine über 100-jährige Geschichte verweisen. Zugleich fehlten den Zusammenschlüssen vor Ort auch die jüngeren Mitglieder .

Jeden Sonntag als Dolmetscherin unterwegs

„Jeden Sonntag fahre in von einem Ort zum anderen, um in den Vereinen bei den Gottesdiensten mit Gebärdensprache zu übersetzen. Immerhin haben wir in den Regionen fünf Gehörlosenseelsorger“, hält Elke Fast engen Kontakt und versucht sich ein Bild zu machen, was die Frauen und Männer vor Ort interessiert. Alle Themen der katholischen Kirche würden angesprochen, Integration und Inklusion seien ebenso in der Diskussion wie die Notwendigkeiten von Pflege im Alter oder Demenz.

Diözesanobfrau für Gehörlose Elke Fast. (Foto. pdp/Ronald Pfaff)

Aus den Gesprächen lässt sich ein Wunschkatalog erstellen: Mehr Gebärdendolmetscher – auch technische Hilfsmittel wie Monitore, um die Dolmetscher überall in der Kirche sehen zu können. „Eine stille Messe muss auch nicht sein. Es gibt Gebärdenchöre wie z.B. in den Bistümern Aachen und Regensburg“, hofft Elke Fast auch im Erzbistum Paderborn mal einen solchen Chor ins Lebens rufen zu können. Es bleibe viel zu tun, um Ideen umzusetzen, so die Obfrau, die selbst gern reist und auch für Gehörlose schon Fahrten an den Gardasee, die Blumenriviera oder Schottland organisiert hat.

Ihre Aufgaben in der Diözesanstelle für Gehörlosen- und Blindenseelsorge im Erzbistum Paderborn sind ebenfalls vielseitig. Für die katholische Gehörlosenzeitung epheta kümmert sich Elke Fast um die Abonnenten-Liste. Sie begleitet für ihre Dienststelle die Buchhaltung für das Erzbistum Paderborn, kümmert sich um Anträge von Kostenübernahmen für Gehörlose in der Diözese und organisiert die zweimal im Jahr stattfindenden dreitägigen Internatsveranstaltungen für die Vereinsvorstände der sechs Ortsgruppen.

Ihr oberstes Anliegen im Ehrenamt und Sekretariatsstelle bleibt aber: den Gehörlosen Gehör verschaffen.

 

Zuletzt bearbeitet: 05.12.2019